1. Anreise
Zug von Konstanz nach Zürich, Flug nach Frankfurt. In Frankfurt habe ich erst mal 10 (zehn!!) Minuten gebraucht um mein Gate zu finden, Stoiber hatte recht! Großer Flughafen! In Peking wurde ich am Flughafen von einer chinesischen 23-jährigen Germanistikstudentin abgeholt, welche mich die ganze Woche über begleitet hat. Sie zu finden war nicht ganz einfach (zehn Minuten!) bei den vielen Leuten in Peking (großer Flughafen!!). Ohne die Dolmetscherin wäre ich völlig aufgeschmissen gewesen. An der Rezeption hat keiner Englisch gesprochen. Ein paar Leute dort meinten zwar dass sie es könnten, aber viel ging da nicht. Die ersten zwei Tage habe ich viel geschlafen.

2. Sightseeing in Peking
Himmelstempel und verbotene Stadt. Haben mich beide relativ wenig interessiert. Man läuft halt durch und macht typische Touristenfotos. Am interessantesten war jeweils die Fahrt mit dem Kleinbus. Der Verkehr in Peking ist abartig, ich würde da nie fahren wollen. Viele Radfahren und ein riesiges Gewusel. Das Wichtigste an den Autos sind die Hupen. Wenn der Blinker nicht geht ist das kein Problem. Rechtsüberholen gehört genauso zum Alltag wie Radfahrer oder parkende Autos auf der Autobahn. Von den Sehenswürdigkeiten hat mir die Mauer am besten gefallen. Schade dass wir Deutschen unsere Mauer schon abgerissen haben. Die Chinesische Mauer ist ein merkwürdiges Gebäude. Ich weiß nicht ob „Gebäude“ der richtige Ausdruck ist, sie gleicht eigentlich mehr einer Straße, oder einer Treppe. Mal können zwei LKWs aneinander vorbeifahren, mal ist sie so eng dass gerade mal zwei Menschen Platz haben. Der Teil wo wir waren war voll mit Touristen, aber wenn man an einen abgelegen Teil will müsste man halt wesentlich weiter fahren und vor allem hat man dann das Problem, dass man ja irgendwie auf die Mauer hochkommen sollte. An unserer Stelle ist die Mauer auf einen Berg hochgegangen (bzw. die Leute sind den Berg hochgegangen). Die Stufen waren mal kurz mal lang, mal hoch mal flach. Wenn man nicht nach unten guckt stolpert man dauernd. Oben hat man dann einen herrlichen Ausblick, wie wenn man halt auf einem Berg steht, nur dass kein Weg sondern eine Mauer nach oben führt.

3. Essen
Da ich hier in Europa überhaupt kein chinesisches Essen mag bin ich davon ausgegangen, dass ich in Peking so meine Probleme bekommen würde, aber genau das Gegenteil war der Fall. Im Wesentlichen gab es Reis oder Nudeln mit sehr guten Rind- oder Schweinefleisch. Oder Ente. Aber die habe ich nicht gegessen. Auch das Gemüse hat mir gut geschmeckt. Dadurch dass sich die Chinesen so gesund Ernähren gibt es auch überhaupt keine Dicken Leute. Die Frauen haben durchweg eine sehr gute Figur, sind lediglich ziemlich flach auf der Brust. Macht aber nichts, weil ich ja nicht zum fxxxen nach China fliege. Und selbst wenn ich es gewollt hätte, wäre das nicht so einfach gewesen, da die Damen einen sehr schüchternen Eindruck gemacht haben, besonders meine Dolmetscherin. Sie war noch nie im Leben in einer Disko und wusste auch nicht wo es eine in Peking gibt. Am vorletzten Tag waren wir in einem Viertel wo es sowas ähnliches wie Nachtleben gab. Bis vor sieben Jahren stand auf Prostitution noch die Todesstrafe, mittlerweile hat man das Gesetz etwas gelockert, aber verboten ist es trotzdem noch. Die „Damen“ fragen einen freundlich ob man eine „Massage“ möchte oder in eine Lady-Bar möchte. Abends waren wir meistens im Hotel und haben dort in der Bar getrunken. Allerdings konnte der Kellner kaum englisch und auf die Frage, ob man hier rauchen darf servierte er ein Glas Wasser. Wie das mit der Verständigung nächstes Jahr bei der Olympiade funktionieren soll ist mir ein Rätsel.

4. Die Show
Die Fernsehsendung „Wanna Challenge“ war der eigentliche Grund meiner Pekingreise. Die Sendung ist das chinesische Analogon zum deutschen „Wetten dass“ mit dem Unterschied, dass es nicht live ist und dass die Sendung einmal pro Woche kommt. Außerdem treten manchem Kandidaten gegeneinander an und in jeder Sendung tritt ein Deutscher auf. An zwei Tagen wurden vier Sendungen aufgezeichnet. Mit dem Bus fuhren wir aus der Stadt raus zum „Drehort“. Zuerst sagte man uns, dass es in einer Brauerei stattfinden soll, dann habe ich erfahren, dass es doch in einem Fußballstadion ist, welches der Brauerei gehört. Jedenfalls haben wir mit dem Bus eine unfreiwillige Brauereibesichtigung gemacht bis wir endlich das Stadion gefunden haben. Der gesamte Rasen war mit Bierkästen bestuhlt, gegenüber der Haupttribüne wurde eine große Bühne Aufgebaut auf welcher die Show stattfand. Mein Wasserbecken, in welchem ich genau wie bei „Wetten dass“ einen Rubikwürfel mit einer Hand richtig hindrehen sollte, sah äußerlich dem von „Wetten dass“ sehr ähnlich, unterschied sich aber in einigen Kleinigkeiten. Zum ersten war es nicht dicht, so dass dauern Wasser raus tropfte zum anderen war die Leiter total wackelig und mit dem Stuhl im Becken verbunden. Als ich mich mal reinsetzen wollte bemerkte ich gleich, dass es erst mal keine Umkleidekabinen gab. Es gab auch keinen Backstagebereich. Der Produzent gab mir dann seinen Autoschlüssel, damit ich mich darin umziehen kann. Nachdem ich ins Becken gestiegen bin, merkte ich, dass es für Chinesen gebaut war: das Wasser ging mir gerade mal bis zum Hals. Das sei aber kein Problem, sie würden es einfach auffüllen. Was allerdings ein Problem war, war die Tatsache, dass die keinen Bleigürtel da hatten, wie ich es gewünscht hatte. An dem Stuhl im Wasser war eine Schnalle und ich sollte mich wie im Flugzeug angurten. Das wollte ich aber nicht und habe versucht mich mit den Füßen am Stuhlbein festzuhalten. Das ging. Man sagte mir dann, ich könne jetzt noch zwei Stunden ins Hotel, mich ausruhen und was Essen bis die Sendung losgeht. Eine Probe gab es nicht mehr. Als ich vom Hotel wieder zurück war wollte ich trotzdem noch ins Becken, und das war auch gut so, denn irgendwas war anders als davor. Das merkte ich, ich wusste nur nicht was. Sie haben mir dann gesagt dass sie die Stuhlbeine abgesägt hätten und gefragt ob es jetzt besser wäre. Ich saß zwar tiefer im Wasser, konnte mich dafür nicht mehr mit den Beinen am Stuhl festhalten. Das musste ich dann halt mit der linken Hand machen. Die gesamte Sendung verlief ziemlich chaotisch, vieles war improvisiert. Kein Vergleich zum deutschen „Wetten dass“ wo jedes Detail geprobt wird. In der Sendung hat meine Wette geklappt, 80 Sekunden habe ich gebraucht, 90 hätte ich gehabt. Am Ende wurde ich sogar Wettkönig. Noch haarstäubender fand ich aber den Verlauf der Wette von Manuel, der zweite deutsche Kandidat. Er wollte 50 brennende Stapel à 10 Gasbetonsteine mit der Hand zerschlagen. Zwei Tage vor der Sendung waren die Steine noch nicht da. Er braucht dafür ganz bestimmte Steine und es gehen keine anderen. Also sind sie noch kurz in ein Baugeschäft gefahren um mal kurz 500 Steine zu kaufen. Die richtigen gab’s da aber nicht, sodass sie halt andere gekauft haben, die ein bisschen leichter zu zerschlagen waren. Erst auf der Heimfahrt haben sie zufällig an einer Baustelle die richtigen Steine gefunden. Und was dann passierte gibt’s nur in China: Sie haben mit dem Bauarbeiter gesprochen, ihm gesagt, dass sie genau diese Steine bräuchten. Nach kurzem Verhandeln hat er ihnen dann tatsächlich seine Steine verkauft. 300 Stück zwar nur, aber das war besser wie die Falschen. Wie der Arbeiter dann weitergemacht hat weiß ich leider nicht, oder ob er jetzt einen neuen Job hat. Die Steine wurden ins Stadion gefahren und am Abend der Sendung wollte Manuel dann man üben, also wenigstens einen Stapel zerschlagen. Anzünden durften sie ihn wegen Brandschutz nicht, ich wusste gar nicht dass die in China sowas haben. Jedenfalls müssen zwischen die Steine je zwei Kanthölzer, macht bei 20 Stapeln à 7 Steine (es wurde aus Platzgründen weiter reduziert) 240 Hölzer. Eine halbe Stunde vor Beginn der Sendung hat dann ein Chinese angefangen die Hölzer zu sägen. In Deutschland wären die mindestens zwei Tage vor der Sendung fertig gewesen. Die Wette hat geklappt, allerdings befand sich im Publikum ein Kung-Fu-Mensch, der meinte er könne das auch. Er wurde spontan während der Sendung auf die Bühne geholt und durfte auch einen Stapel zerschlagen. Bis zum nächsten Tag wurden weitere Steine organisiert (vielleicht an der gleichen Baustelle) und der Zuschauer wurde als Ersatzkandidat genutzt, er hat genau die gleiche Wette angeboten. Am zweiten Tag trat nämlich nur ein Deutscher auf, weil die eigentliche Kandidatin ihr Visum, Flugticket und den Reisepass einen Tag zu spät bekam: Fehler bei der Deutschen Post. Der dritte Deutsche wollte mit Pfeil und Bogen auf 10 kleine Zielscheiben schießen, welche an einem Stab befestigt waren und mit einem Bieröffner verbunden waren. Bei jedem Treffer sollte eine Bierflasche geöffnet werden. Als Hintergrund hat er ausdrücklich eine Strohwand gewünscht, damit die Pfeile drin stecken bleiben. Er hat leider nur eine normale Stellwand bekommen, an der die Pfeile abgeprallt sind. Abgeprallt an den Auslöser und weil das Gestell so wackelig war wurden mit einem einzigen Schuss alle 10 Flaschen auf einmal geöffnet. Beim nächsten Mal haben sie dann keine Wand sondern ein Tuch probiert, aber da sind die Pfeile durchgegangen. Zum Glück stand dahinter niemand. In der Sendung haben sie dann die Konstruktion etwas stabiler gemacht und doch die Stellwand verwendet. Er hat nur drei Zielscheiben umgeschossen, das allerdings mit zwei Pfeilen. Ich weiß nicht ob die Chinesen nichts denken oder ob in der Informationskette irgendwo ein Riss war, jedenfalls hat keiner die Bedingungen gehabt die er gefordert hatte. Die chinesischen Wetten waren zum Teil so abstrus, dass ich den Sinn gar nicht verstanden habe oder sie waren so lächerlich, dass sie in Deutschland niemals genommen worden wären. Beeindruckend waren die vielen Feuerwerke und Lichteffekte. Natürlich gab es auch einen Wettkönig, wobei mir die Art und Weise wie dieser ermittelt wird nicht genau bekannt ist. Da es keine Livesendung ist können die Zuschauer nicht anrufen, es wurde auch nicht die Lautstärke vom Applaus gemessen. Dass ich höchstwahrscheinlich Wettkönig werden würde, hat man mir davor schon gesagt. „Zufällig“ kommt es auch sehr oft vor, dass die Deutschen Wettkönig werden.

5. Politik
Mit der Politik in China bin ich nicht einverstanden und das war auch der Grund warum ich erst gar nicht hinwollte. Die Menschen dürfen nicht das sagen was sie meinen und Pressefreiheit gibt es überhaupt nicht. Manuel und ich waren uns nicht mehr sicher, wann das berühmte Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens stattfand. Also haben wir im Hotel den Laptop ausgepackt und im Internet nachgeschaut. D.h. wir wollten nachschauen, aber leider ging Wikipedia nicht: Diese Seite kann nicht angezeigt werden. Alles andere ging. Wir haben in Google irgendwas wie Massaker, China, Studentenaufstand, Tiananmen’s square oder sowas eingegeben. Es kamen viele Treffer, bloß konnte man die Links nicht anklicken: Diese Seite kann nicht angezeigt werden. Den Chinesen werden bewusst bestimmte Informationen nicht zugänglich gemacht. Mit der Dolmetscherin haben wir dann versucht über Politik zu reden, Manuel, der schon das vierte Mal in China war, kannte sich ein bissel aus und hat mal genauer nachgefragt. Wie viele Menschen denn unter Maotsetung umgekommen seien. Die Antwort der Dolmetscherin: So schlimm war das nicht, es sei nicht so wie es immer beschrieben wird und sie wolle nicht darüber reden. Punkt. Aber jede Schlechte Sache hat auch ihre Sonnenseiten: die Chinesen müssen nicht demonstrieren, was ihre Regierung macht finden sie ok (das was sie davon mitbekommen), sie brauchen sich über nichts aufregen und weil sowieso an jeder Straßenecke ein Polizist steht gibt es auch fast keine Kriminalität. Es gibt auch kaum Arbeitslose, weil so einem einfach einen Besen in die Hand gedrückt wird und für 50 Cent am Tag putzt der dann die Stadt. Die Stadt war überraschend sauber, wenn man den Dreck auf der Straße betrachtet. Die Luft war jedoch sehr dreckig, zwar besser wie ich es mir vorgestellt habe, aber man konnte dennoch nicht weit sehen. Keine Wolke am Himmel. Weil der Smog die Sicht versperrte. Aber auch das hat Vorteile: man bekommt keinen Sonnenbrand. In Deutschland haben wir mehr Rechte (Presse-, Meinungsfreiheit, …) sind dafür in anderen Dingen eingeschränkt: wir brauchen TÜV fürs Auto, müssen die Umwelt sauber halten, müssen in der Schule zwei Fremdsprachen lernen, müssen auf Demos gehen, G8-Gipfel organisieren… All dies bleibt einem Chinesen erspart.

6. Fazit
Die Reise hat sich absolut gelohnt. Leider war ich nur in einer Stadt und habe nichts vom Land gesehen. Geld würde ich für diese Reise jedoch keins ausgeben, ich habe Flug, Hotel, Essen, Bus, Taxi, Dolmetscherin, … einfach alles bezahlt bekommen. Die Sendung ist etwas chaotisch aber funktioniert trotzdem.